Netzwerk Theater
und Schule

Rück­blick

Spiel der Gäste

Projekt HANDverLESEN

Film: Sabine Loew

Die 1820 gegründete Freiherr-von-Schütz-Schule ist die älteste Schule für Gehörlose und Schwerhörige in Hessen. Im Schuljahr 2019/2020 recherchierte die Lehrerin Anja Gilles gemeinsam mit Schüler:innen der 10. Klasse die historische Situation derjenigen Schüler:innen, die von auswärts kamen und vor der Internatsgründung 1971 bei Pflegefamilien unterkamen. Aus der Recherchearbeit entstand ein Dokumentarfilm mit Spielszenen.

Die Künstlerinnen Cornelia Niemann und Sabine Loew begleiteten im FLUX-Projekt „HANDverLESEN“ diese Recherche- und Filmarbeit wiederum filmisch – als Dokumentation zur Dokumentation. Darüber hinaus wurden eigene Recherchen angestellt, Interviews geführt und die beteiligten Schüler:innen zu ihrer heutigen Lebenssituation befragt. Hieraus erarbeiteten sie gemeinsam eine theatralische Umsetzung in Gebärdensprache. Ziel war es, dem Publikum Gegenwart und Geschichte der Schule nahezubringen.

2. Plattform 2020

Film: Double Vision Films (Charlotte Bösling und Janna Pinsker)

Auch die FLUX-Residenzkünstler:innen mussten sich in diesem Jahr neuen Herausforderungen stellen und bestehende Konzepte neu betrachten. In einer ersten Plattform im Juni stellten alle Künstler:innen ihre Vorhaben vor. Nun war es an der Zeit, einen Rückblick auf die vier Residenzprojekte zu werfen, die in den vergangenen Monaten in Staufenberg, Grebenhain, Gadernheim und Schotten stattfanden.

Mit dabei war die Forschungsgruppe der Uni Koblenz, die die FLUX-Residenzen unter dem Forschungsthema: „Der dritte Ort? Künstlerische Residenzen im ländlichen Raum. Grundlagenforschung zur Kulturellen Bildung in ländlichen Regionen“ beforschte.

Beitrag

Vom Finden und Verfolgen der Ideen

Für das Projekt DO_KiL (Der dritte Ort? Künstlerische Residenzen in ländlichen Räumen) begleiten Forschende der Universität Koblenz-Landau Residenzkünstler und -künstlerinnen, die in ländlichen Gemeinden zu Gast sind.

Eine künstlerische Residenz kann als besondere Projektarbeit beschrieben werden, bei der sich Kunstschaffende für eine befristete Zeit an einem bestimmten Ort niederlassen, um dort zu arbeiten und zu forschen. […]

Einigen dieser Netzwerktreffen, Filmdrehs und Interview-Aufnahmen durften die Forschenden des Projektes DO_KiL beobachten.

Weiterlesen: Zum Artikel der Universität Leipzig

Presse

Kreativität fördern: Engagiertes digital-analoges Schulprojekt

HOCHHEIM – Man ruft die Einladungs-E-Mail auf, klickt den Link für „GoToMeeting“ und sieht das eigene Bild durch die eingebaute Kamera. Ein Klick auf „bereit“ reicht, um den digitalen Meeting-Raum der Kinderakademie der Heinrich-von-Brentano-Schule zu betreten. Schon winken und grüßen Schüler, Lehrer und Künstler aus den kleinen Bildern mit einem fröhlichen „Hallo!“

Weiterlesen: Zum Artikel in der Hochheimer Zeitung

Kinderakademie 2020

Im November letzten Jahres fand die FLUX-Kinderakademie 2020 mit Schüler:innen der Weinbergschule, der IGS Heinrich-von-Brentano-Schule in Hochheim und Kindern aus Schlitz im Vogelsbergkreis statt. Die Künstlerinnen Hannah Schassner, Antigone Akgün und Annika Keidel stifteten den Corona-Umständen angepasste Formate rund um das Thema „GOOD NEWS“, die in digitalen und analogen Interventionen über mehrere Wochen Teil des Alltags der Kinder wurden. Entstanden sind Brieffreundschaften, ein Tabu-Spiel, ein Podcast, eine Choreografie und ein Abschlussfilm.

Eva-Maria Magel von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung interviewte die Beteiligten und fasste zusammen: „Wie Theater und Schule, Kinder und Kunst aneinander wachsen, zeigen Projekte wie die ‘Kinderakademie’.

Künstlerische Leitung: Hannah Schassner, Antigone Akgün und Annika Keidel
Mit: Schüler:innen der Brentanoschule und der Weinbergschule Hochheim

Presse

„Alles ist möglich“ – nicht nur beim Tanzen

HOCHHEIM – Die Turnhalle der Weinbergschule hat sich in den vergangenen Wochen ein bisschen zur Schauspielbühne gemausert. Bereits am 26. Oktober war das Junge Staatstheater Wiesbaden (diese Zeitung berichtete) dort zu Gast, wo sonst vor den strengen Corona-Bestimmungen Kinder über den Hallenboden flitzten. Am vergangenen Dienstag gab sich ein Teil des Ensembles von „Hennemanns Horde“ die Ehre und zeigte den Kindern tänzerisch, mimisch und gestenreich, dass alles möglich ist und nichts festgelegt sein muss – weder Tanzstile, noch Kleidung, deren Farbe oder gar Geschlechterklischees.

Weiterlesen: Zum Artikel in der Hochheimer Zeitung

Schaufenster 2020

„Daumen hoch für Kulturelle Bildung!“ hieß es beim letzten FLUX-Schaufenster am 4. und 5. November 2020. Künstler:innen, Lehrer:innen und Studierende kamen zusammen, um sich über die aktuelle FLUX-Gastspielreihe zu informieren.

Erstmals fand die Veranstaltung online statt: In kurzen Videotrailern stellten die Künstler:innen ihre für das FLUX-Gastspielprogramm 2020/2021 ausgewählten Produktionen vor, gewährten Einblicke in ihre Arbeitsweise und in ihr Angebot für das theaterpädagogische Begleitprogramm.

An beiden Tagen hatten die Teilnehmenden im Anschluss die Möglichkeit, in Interviews und Kleingruppen miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und sich am tagesübergreifenden Diskurs zu beteiligen.

Gäste des Spiels

Residenzen 2020

Wie so viele waren auch die FLUX-Residenzkünstler:innen und ihre Partnergemeinden durch die COVID-19-Pandemie zum Umdenken aufgefordert. Formate mussten neu gedacht, Kommunikationswege neu betreten und Ideen weiterentwickelt werden. Nichtsdestotrotz waren die Projektpartner:innen guter Dinge und realisierten erfolgreich Projekte für ländliche Räume.

Theater Joschik

KALTE FLEISCHWURST | 2020
Partner: Gemeinden Staufenberg, Lollar & Lumdatal
Peter Kurzeck (Alfred-Döblin-Preis) kam mit seiner Familie als Kind im Alter von drei Jahren als Vertriebener aus dem Sudetenland nach Staufenberg. Er hat in seinem literarischen Schaffen diesem Ort und seinen Erinnerungen an seine Kindheit in der Nachkriegszeit große Bedeutung beigemessen. Theater Joschik suchte diese Spuren, las Kurzecks Erzählungen. Durch Interviews sowohl mit Zeitzeugen als auch jetzigen Neu-Staufenbergern wurde die Verbindung ins Heute hergestellt.

Die Teilnehmenden im Alter von 17 bis 85 Jahren wurden miteinander und mit verschiedenen Kunstformen – Bewegung, Theater, Malerei – bekannt gemacht. In Gruppen wurden, je nach Lust und Talent, gemeinsam mit dem syrischen Maler Adnan Abd Al-Rahman, der Choreografin Ekaterina Khmara, der Zirkuspädagogin Angela Beppler, dem Theaterregisseur Matthias Faltz oder dem Musiker Michael Lohmann gearbeitet. Den inhaltlichen Ausgangspunkt bildeten dabei stets Kurzecks Themen: Erinnern, Bewahren, Heimat, Kunst.

Aufgrund der Pandemielage entschied sich das Residenzteam zum Abschluss des Projekts für eine Filmpräsentation. Aus „Kalte Fleischwurst“ wurde „Das Kleid meiner Großmutter“: Ein in Kooperation mit IM-PULS – Kulturpolitischer Arbeitskreis Staufenberg e. V. entstandenes Filmprojekt, das – ganz im Sinne Kurzecks – die Geschichten der Projektbeteiligten erzählt.

Kilincel & Schaper

SELFIE II | 2020
Partner: Gemeinde Schotten
Wie würde das Selfie einer Gemeinde aussehen? Was ist hier anders als in anderen Städten und Gemeinden und was ist gleich? Und was hat sich durch COVID-19 verändert?

Die Performancekünstlerin und Choreografin Tümay Kilincel und der Medienkünstler und Kulturschaffende Cornelius Schaper widmeten sich diesen Fragen in Schotten im Vogelsbergkreis. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort erforschten sie, wie das digitale Selbstbildnis der Stadt aussehen könnte, und sammelten in Gesprächen, Interviews und Workshops Themen, die den Bewohner:innen am Herzen liegen.

Das künstlerische Arbeiten im öffentlichen Raum wurde zu Pandemiezeiten in ein digitales Format umgedacht: Mit dem Material, das sie vor Ort einfingen, erstellte das Residenzteam unter dem Titel „Schotten 2020“ ein Selfie der Gemeinde – ein Mosaik der Stadt – in Form einer künstlerischen Webseite. Die Abschlusspräsentation bildete eine Schaufenster-Collage, die Passant:innen auf analogem Wege auf die Webseite hinwies und zum Besuch einlud.

Im Rahmen der FLUX-Kinderakademie entstand 2019 bereits das Projekt SELFIE. Diese Auseinandersetzung setzte das Team 2020 fort.

Studio Vogelsberg

Studio Vogelsberg II | 2020
Partner: Gemeinde Grebenhain
Studio Vogelsberg filmte in Zusammenarbeit mit den Bewohner:innen Grebenhains Videoepisoden, die sich durch dokumentarische Erzählungen von spezifischen Orten ihren Protagonist:innen nähern, und machte in Workshops mittels praktischer und performativer Übungen mit dem Medium Film vertraut.

Fokussiert wurde diesmal der Sportplatz in Volkartshain, dessen Geschichte eng mit dem Flugzeugabsturz eines amerikanischen Aufklärungsflugzeuges im Jahr 1966 verknüpft ist. Die Gemeinde hat die daraus entstandene deutsch-amerikanische Freundschaft umfassend dokumentiert und stellte dem Residenzteam das vorhandene Text- und Bildmaterial zur Verfügung.

Das Material bildete die Grundlage für die anschließende Projektarbeit mit einer Mädchengruppe sowie mit dem örtlichen Sportverein, der sich in dem Jahr nach dem Flugzeugabsturz gründete. So wurde gemeinsam die unmittelbare Umgebung neu reflektiert und imaginiert; es entstanden filmische Portraits zwischen Dokumentation und Fiktion.

Zum Abschluss organisierten die Künstlerinnen eine unter Coronaschutzbestimmungen durchgeführte Abschlussgala im Grebenhainer Bürgerhaus.

wil­lems&ki­derlen

GHOSTWRITING ODENWALD | 2020
Partner: Gemeinde Lauterbach
In „GHOSTWRITING ODENWALD“ wurden willems&kiderlen zu Forscher:innen eines kollektiven Gedächtnisses von Landbewohner:innen aus Lauterbach. Sie fragten: Welche Geschichten wehen über die Äcker, welche Häuser und Höfe standen da, wo heute keine mehr stehen, wie war das Leben damals und wie haben sich die Menschen jetzt in ihrem Leben „eingerichtet“? Haben sie sich eingerichtet? Wie haben sie die Umbruchszeit nach dem Krieg in ihren Dörfern erlebt? Wie sind sie damit umgegangen? Welche Geschichten möchten sie weitergeben? Welche Bilder, welche Strophen und Erinnerungen sollen nicht vergessen werden?

Im Zentrum dieser nunmehr dritten FLUX-Residenz des Kollektivs stand eine mehrgenerationale Begegnung, in der die Erzählungen, Erinnerungen, Lebensgeschichten und Umbruchserfahrungen einer älteren Land-Generation erforscht, gesammelt und anschließend von einer jüngeren Generation performativ angeeignet und – pandemiebedingt filmisch – in Szene gesetzt wurden.

Der fertige Film wurde zum Abschluss der Residenz in Form einer Webseite mit dem Titel „Die Lautertal Protokolle von willems&kiderlen“ veröffentlicht.

1. Plattform 2020

Film: Double Vision Films (Charlotte Bösling und Janna Pinsker)

Erstmals fand die FLUX-Plattform im turbulenten Jahr 2020 online statt. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmer:innen das Potenzial und die Möglichkeiten digitaler Formate: Inwiefern produziert Digitalität (neue) Ein- oder Ausschlüsse in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen? Sind digitale Formate niedrigschwelliger? Wie findet soziale Interaktion und Teilhabe im digitalen Raum statt? Und wie lassen sich diese mit analogen Theaterformaten verknüpfen?

Katharina Künstler absolvierte ein Praktikum bei FLUX und hat ihre Eindrücke zur Plattform in einem Bericht zusammengefasst.

Noch ein Häppchen?

Geschichte

FLUX – Ein Rückblick von Ilona Sauer, Mitbegründerin von FLUX und Projektleiterin von 2008–2019

„Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.“ (Erich Kästner)

Das Wort flux bedeutet etymologisch ständige Bewegung. Es verweist auf Fluss (flow), auf Wandel (change), auf Strom (current, power, stream), auf Flut (flud). Blickt man zurück, so stellt man fest, dass genau dadurch FLUX gekennzeichnet war.

2004 verabschiedete die regionale Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendtheater in der ASSITEJ e. V. (LAG-Südwest) im Rahmen des Marburger Festivals „Theater sehen – Theater spielen“ unter Federführung von Dirk Fröse das „Marburger Papier“ und startete die Initiative „Theater und Schule in Hessen“. Die Marburger Initiative forderte eine kultur-, schul- und sozialpolitische Zielformulierung, in deren Mittelpunkt Kulturelle Bildung als gesellschaftliche Aufgabe steht.

2005 initiierte die ASSITEJ e. V. eine Bestandsaufnahme über die Zusammenarbeit der hessischen Schulen mit Theatern, die 2006 durchgeführt wurde. Konzept und Ausführung der Befragung lagen in den Händen von Eckhard Mittelstädt und Ilona Sauer.

2007 wurden die Ergebnisse im Rahmen eines überregionalen Symposions und der Publikation Theater und Schule, hg. von Prof. Dr. Wolfgang Schneider, präsentiert. 50 % der Schulen beantworteten den Fragebogen und äußerten den Wunsch nach mehr Kooperation.

Auf Einladung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK) und des Hessischen Kultusministeriums (HKM) wurden die Studie gemeinsam ausgewertet und mit der ASSITEJ e. V., dem Landesverband Schultheater in Hessen (LSH) e. V., dem Berufsverband der Spieltherapeutinnen und Spieltherapeuten (BVdS) e. V. und dem Landesverband Professionelle Freie Darstellende Künste Hessen (laPROF) e. V. ein Aktionsplan für Theater und Schule in Hessen formuliert. Forderungen waren unter anderem: Förderung nachhaltiger Strukturen der Zusammenarbeit von Theatern und Schulen, Förderung von Schulen, die kontinuierlich mit Theatern zusammenarbeiten, Förderung von Projekten in ländlichen Räumen, Förderung von Theaterbesuchen und Fahrtkosten sowie die Förderung einer Veranstaltungsreihe für Schulen.

2008 wurde als Resultat dieser Bemühungen die Veranstaltungsreihe FLUX ins Leben gerufen.

2009 startete FLUX in Trägerschaft der ASSITEJ e. V. und mit der Projektleiterin Ilona Sauer als Gastspielreihe für Schulen in ländlichen Regionen Hessens. Hessische Schulen konnten nun vom Land Hessen geförderte Gastspiele mit theaterpädagogischer Begleitung einladen. Die gastierenden Theater wurden von Anfang an von einer Jury kuratiert. Neben den für die Schulen kostenlosen theaterpädagogischen Workshops zu jedem Schulgastspiel erarbeiteten die Theater auch Begleitmaterialien für den Unterricht.

Mit den Slogans: Theater bahnt seinen Weg über das ästhetische Vergnügen!Theater braucht die Freiheit des Spiels!Theater ist keine Fortsetzung des Unterrichts mit anderen Mitteln! wurde fortan die Idee von FLUX beschrieben. Die Zusammenarbeit zwischen Theatern und Schulen setzt eine Kommunikation zwischen gleichberechtigten Partner:innen voraus, und so waren die Theateraufführungen stets Kommunikationsangebote an die Schüler:innen. Viele Inszenierungen forderten dazu auf, sich eigene Zugänge zu dem dargebotenen Material zu verschaffen.

Gerahmt wurde FLUX von Anfang an durch Austausch- und Präsentationsformate wie die Aktionstage und das FLUX-Schaufenster. Die Schaufenster sind Teil des Dialoges zwischen Künstler:innen und Pädagog:innen und somit Teil der Netzwerkarbeit von FLUX. Begleitet wurde FLUX seit Bestehen von einem Beirat, dem Vertreter:innen des HMWK, HKM und der hessischen Theaterverbände angehören.

2010 wurde die Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Theatern und Schulen durch HMWK, HKM, ASSITEJ e. V., laPROF und LSH unterzeichnet und damit eine verbindliche Grundlage für die vertragliche Seite der Kooperationen von FLUX geschaffen.

2010–2012 folgten Weiterbildungen für die an FLUX beteiligten Künstler:innen.

FLUX adressierte nicht nur die Pädagog:innen, sondern auch die Theaterschaffenden und entwickelte kontinuierlich eine Theaterszene weiter, indem neue künstlerische Arbeitsweisen auch in der Begegnung mit anderen Künsten vorgestellt und in dem Praxisfeld Schule und in den Residenzprojekten in ländlichen Räumen erprobt wurden.

Für FLUX waren die Fortbildungen mit Karola Marsch (Theater an der Parkaue) wegweisend, da sie in die Arbeit im künstlerischen Labor anhand der Berliner Winterakademie mit dem Ziel einführten, eigene Projekte für ländliche Räume zu entwickeln (2010 & 2011). Der Blick von außen unter den von Karola Marsch entwickelten Fragestellungen bot den Rahmen für die Qualitätskriterien der FLUX-Projekte. Zentral waren die Begriffe Recherche, Material, Performativität und Partizipation. Befragt wurde sowohl die Art und Weise der Recherche wie auch der Umgang mit dem Material und dessen Transformation in künstlerische Prozesse.

Eine entscheidende Frage war die nach der Art und Weise der Partizipation der Kinder und Jugendlichen. Wie weit geht die Beteiligung der Kinder, werden sie beispielsweise in die Konzeptentwicklung einbezogen?

2012 fand die Weiterbildung „Grenzbeschreitungen“ statt: Das Mentoring von Dorothea Hilliger (HBK Braunschweig) stellte die Grenzbeschreitungen zur Bildenden Kunst sowie die Umgestaltung öffentlicher Räume und die Befragung von Schulräumen ins Zentrum. Auch hier rückten Kriterien in den Vordergrund, die im Folgenden als Qualitätskriterien bei der Auswahl von Inszenierungen und der Beurteilung von Projekten fungierten.

Mit den Veränderungen in den Arbeitsweisen der Darstellenden Künste beschäftigten sich die Labore für performatives Forschen von laPROF. FLUX war hier Partner. Die Labore dienten dem Austausch und zur Weitergabe bisher erworbenen Wissens. 2012 widmete ein Labor sich dem Thema „öffentliche Räume“ und 2013 dem Thema „Nachhaltigkeit“. Es wurde die Frage danach gestellt, wie die Kritik an herrschenden Ökonomien nicht nur künstlerisch artikuliert werden kann. 2016 folgte die Weiterbildung „Whats next?“: Ziel war es, die Stärken von FLUX kulturpolitisch, pädagogisch und künstlerisch herauszuarbeiten, aber auch Spannungsfelder in den Kooperationen von Theatern und Schulen zu benennen. Diskutiert wurde auch, wie sich die eigenen künstlerischen Bewertungskriterien vom schulischen Bewertungssystem unterscheiden.

2013 erfolgte die Nominierung von FLUX zum BKM-Preis Kulturelle Bildung.

Im selben Jahr übergab die ASSITEJ e. V. FLUX an den neugegründeten Trägerverein Verein zur Zusammenarbeit von Theatern und Schulen in Hessen e. V. Dem Vereinsvorstand gehörten Detlef Köhler (TheaterGrueneSosse, Vorsitzender), Wolfgang Schneider (ASSITEJ e. V.) und Angelika Sieburg (laPROF) an.

2013–2019 erfolgte die Realisierung von Projekten im Rahmen von tanz + theater machen stark.

2014 wurde eine Kampagne für einen Kulturkoffer für Hessen realisiert. Der Kulturkoffer wurde von den Hessischen Theaterverbänden und den FLUX-Theatern im Hessischer Landtag übergeben.

Im selben Jahr startete das Weiterbildungsprogramm Kunst Rhein-Main. FLUX war hierbei interner Partner.

Das Ziel der Weiterbildung war die Stärkung von Kunst- und Kulturschaffenden in ihrer künstlerischen Arbeit in Bildungskontexten. An der Weiterbildung nahmen Tänzer:innen, Performer:innen und Theatermacher:innen aus dem FLUX-Kontext teil. Die Weiterbildung verband exemplarisch Vorträge und Werkstätten mit einer wissenschaftlichen Befragung der beteiligten Künstler:innen über ihre eigene Arbeit in Projekten in Bildungskontexten und lieferte zahlreiche Impulse für die FLUX-Residenzprojekte und die künstlerische Arbeit in Schulen. Das Weiterbildungsprogramm wurde durchgeführt von der Tanzplattform Rhein-Main, FLUX, vertreten durch Ilona Sauer, und wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Kristin Westphal, Universität Koblenz-Landau.

2015 starteten die FLUX-Residenzprojekte, die FLUX-Akademie für Kinder und die FLUX-Plattform der Residenzen, gefördert mit Mitteln des Kulturkoffers Hessen.

2016 erfolgte die Nominierung zum Preis „Kinder zum Olymp“. Votum der Jury:

„Die Jury beeindruckt an diesem Programm von FLUX besonders, dass es die Begegnung von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Performancebereich mit Kindern, Schülerinnen und Schülern sowie erwachsenen Bürgerinnen und Bürgern in Form von künstlerischen Rechercheprojekten initiiert. Die Akteure begeben sich in die ländlichen Räume Hessens. Dabei steht nicht das Defizitäre der Lebenslagen der Landbevölkerung im Vordergrund, sondern es sollen im Gegenteil mithilfe der künstlerischen Aktionen und Interventionen neue Möglichkeitsräume eröffnet werden. Leerstand wird hier als Chance erkannt und über produktive Prozesse anders nutzbar gemacht. Der Alltag wird hierbei nicht nur recherchiert, sondern soll mit den Mitteln der Kunst positiv verändert werden. Über die innovative, bisweilen irritierende Sichtweise von Kindern und Jugendlichen gegenüber der Erwachsenen-Perspektive werden neue Impulse des Zusammenlebens gegeben.“

2013–2017 wurden Ortserkundungen und Zwischenstopps realisiert.

Die Ortserkundungen und Zwischenstopps ermöglichten es, Fragestellungen in einem kleineren Teilnehmendenkreis zu diskutieren, künstlerische Arbeitsweisen kennenzulernen und zu erproben sowie die Orte des Wirkens der Künstler:innen kennenzulernen.

Die Ortserkundungen hatten jeweils unterschiedliche inhaltliche Schwerpunktsetzungen. In Kooperation mit dem TheaterGrueneSosse und der Johannisberg-Schule in Witzenhausen: Theaterarbeit mit Kindern. Theater 3 hasen oben 2013 in Immichenhain: Theaterarbeit in ländlichen Räumen. In Zusammenarbeit mit der Aueschule Dietzenbach und Verena Specht Ronique 2014: digitale Strukturen übersetzen. Mit dem Theater Hirsch & Co. auf Schloss Eisenbach 2014: inklusive Theaterarbeit. In Zusammenarbeit mit der Radko-Stöckl-Schule Melsungen 2016: Kulturelle Bildung und Geflüchtete. Und mit Dina Keller und der Gesamtschule Schlitzerland 2017: performatives Forschen.

2018 erfolgte die Wahl eines neuen FLUX-Vorstandes: Detlef Köhler (TheaterGrueneSosse, Vorsitzender), Carola Unser (Hessisches Landestheater Marburg), Björn Lehn (Theater Moller-Haus), Jörg Thums (laPROF), Annika Keidel (schassner & keidel).

Die ASSITEJ führte eine neue Studie über die Zusammenarbeit von Theatern und Schulen in Hessen durch. Ilona Sauer war beratend in die Studie eingebunden.

2019 wurde der Preis des „Made“ Festivals an Ilona Sauer für ihre Arbeit für FLUX verliehen.

Die FLUX-Projektleitung wurde an Ines Wuttke und Katharina Speckmann übergeben.

Publikationen zu FLUX

Schneider, Wolfgang (Hg. für die ASSITEJ e. V.): Darstellende Künste und Schule in Hessen. Frankfurt am Main 2019.

Schneider, Wolfgang (Hg.): Theater und Schule. Ein Handbuch zur kulturellen Bildung. Bielefeld 2009.

Sauer, Ilona: Netzwerke stärken, Strukturen fördern, Arenen des Austauschs entwickeln. In: Schneider, Wolfgang (Hg. für die ASSITEJ e. V.): Darstellende Künste und Schule in Hessen. Frankfurt am Main 2019, S. 26–27.

Sauer, Ilona: Theater und Schule. Eine Studie! Ein Modell? In: Schneider, Wolfgang (Hg.): Theater und Schule. Ein Handbuch zur kulturellen Bildung. Bielefeld 2009, S.15–39.

Publikationen zu den FLUX-Residenzen

Sauer, Ilona: LIGNA auf dem Lande. In: Schneider, Wolfgang/Schröck, Katharina M./Stolz, Silvia (Hgg.): Theater in der Provinz. Künstlerische Vielfalt und kulturelle Teilhabe als Programm. Berlin 2019, S. 147–160.

Sauer, Ilona: Mitgestalten statt Konsumieren. In: Schneider, Wolfgang/Blickle, Nadja (Hgg.): Starke Stücke. Theater für junges Publikum in Hessen und Rhein-Main. Berlin 2019, S. 28–35.

Sauer, Ilona: FLUX. Generationale Begegnungen zwischen Stadt und Land: Die Residenzen. In: Westphal, Kristin/Bogerts, Teresa/Uhl, Mareike/Sauer, Ilona (Hgg): ZWISCHEN Kunst und Bildung. Theorie, Vermittlung, Forschung in der zeitgenössischen Theater-, Tanz- und Performancekunst. Oberhausen 2018, S. 39–61.

Sauer Ilona: Kinderspiele in performativen Settings. In: Engel, Birgit/Peskoller, Helga/Westphal, Kristin/Böhme, Katja/Kosica Simone (Hgg.): räumen – Raumwissen in Natur, Kunst, Architektur und Bildung. Weinheim Basel 2018, S. 170–183.

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