Netzwerk Theater
und Schule

Residenzen

Zug um Zug

Einleitung

Das von der Hessischen Landesregierung im Rahmen des Kulturkoffers geförderte Residenzprogramm stellt eine qualitative Weiterentwicklung von FLUX dar. Die Residenzprojekte sind speziell für ländliche Räume konzipiert, legen den Fokus auf intergenerationale Begegnungen und begleiten künstlerisch den demografischen Wandel auf dem Land. Jede Residenz ist geprägt durch die Besonderheit des Ortes, durch die künstlerische Handschrift der Theaterschaffenden und durch die Diversität der Beteiligten. Seit dem Start der temporären Theaterresidenzen im Jahr 2015 haben sich unterschiedliche Künstler:innen meist über mehrere Jahre in einer Gemeinde mit den verschiedensten Fragestellungen beschäftigt.

Die Projekte suchen sich ganz unterschiedliche Orte des Sichtbarwerdens: auf dem Marktplatz, in Leerstandsräumen, Containern, Schulen oder auf der Leinwand im Gemeindesaal. Die Residenzen sind auf drei Jahre angelegt und werden zum Austausch sowie im Sinne des Netzwerkgedankens von FLUX auf der FLUX-Plattform zusammengeführt.

2017 wurde das FLUX-Residenzprogramm 2016 nominiert für den Preis „DER OLYMP – Zukunftspreis für Kulturbildung“ der Kulturstiftung der Länder.

FLUX säen, Kunst ernten

Studio Studio

Studio Vogelsberg III | 2021
Partner: Gemeinde Grebenhain
Im dritten Residenzjahr entsteht vor Ort eine filmische Auseinandersetzung mit dem Schicksal eines Leerstandes mit einer vielschichtigen Geschichte: dem Fußballplatz in Volkartshain.

In Form einer auf Interviews basierenden inszenierten Vereinsversammlung diskutiert das Residenzteam gemeinsam mit den Bewohner:innen lokale Probleme und Fragestellungen und lotet die Vergangenheit und mögliche Zukunft dieses Ortes aus. Auch die Position der vermeintlich außenstehenden Künstlerinnen wird mitreflektiert, indem sie diesmal selbst Teil des Films werden.

Projektzeitraum: Juli – Mitte August, September und Dezember 2021

Studio Vogelsberg II | 2020
Partner: Gemeinde Grebenhain
Studio Studio filmte in Zusammenarbeit mit den Bewohner:innen Grebenhains Videoepisoden, die sich durch dokumentarische Erzählungen von spezifischen Orten ihren Protagonist:innen nähern, und machte in Workshops mittels praktischer und performativer Übungen mit dem Medium Film vertraut.

Fokussiert wurde diesmal der Sportplatz in Volkartshain, dessen Geschichte eng mit dem Flugzeugabsturz eines amerikanischen Aufklärungsflugzeuges im Jahr 1966 verknüpft ist. Die Gemeinde hat die daraus entstandene deutsch-amerikanische Freundschaft umfassend dokumentiert und stellte dem Residenzteam das vorhandene Text- und Bildmaterial zur Verfügung.

Das Material bildete die Grundlage für die anschließende Projektarbeit mit einer Mädchengruppe sowie mit dem örtlichen Sportverein, der sich in dem Jahr nach dem Flugzeugabsturz gründete. So wurde gemeinsam die unmittelbare Umgebung neu reflektiert und imaginiert; es entstanden filmische Portraits zwischen Dokumentation und Fiktion.

Zum Abschluss organisierten die Künstlerinnen eine unter Coronaschutzbestimmungen durchgeführte Abschlussgala im Grebenhainer Bürgerhaus.

Studio Vogelsberg | 2019
Partner: Gemeinde Grebenhain
Gemeinsam mit den Bewohner:innen aller Generationen entstand vor Ort eine sich zwischen Fiktion und Dokumentation bewegende Serie, die in der vermeintlichen Dorfidylle des Vogelsbergs spielt. Hierfür gründeten Ruby Behrmann (Theaterregisseurin und -pädagogin), Evamaria Müller (Klangkünstlerin und Bühnen-/Kostümbildnerin) und Julia Novacek (Filmemacherin und Schauspielerin) das „Studio Studio“ und führten in enger Kooperation mit der Stadtverwaltung und der Oberwaldschule unterschiedliche Filmprojekte durch.

Die Projektarbeit umfasste den Dreh kleiner filmischer Episoden, die die Künstlerinnen gemeinsam mit Bewohner:innen der Gemeinde entwickelten. Jede beteiligte Person stellte einen für sie besonderen Ort in der Gemeinde vor: etwa eine ehemalige, nun leerstehende Modellflugzeugfabrik, eine ehemalige Skisprungschanze, ein hart erkämpftes Vogelschutzgebiet, eine ehemalige Munitionsfabrik aus dem Zweiten Weltkrieg. Darauf aufbauend wurden Kostüme angefertigt, die dann in inszenierten Szenen zum Einsatz kamen. Die Künstlerinnen knüpften hierbei auch am Internetauftritt der Vogelsbergregion und der dort genutzten Definition von Heimat an: „Heimat heißt bei uns: aktiv und gut vernetzt. Miteinander.“ Vor Ort entstand schließlich eine sich zwischen Fiktion und Dokumentation bewegende Serie, die in der vermeintlichen Dorfidylle des Vogelsbergs spielt und Grebenhain und seine Bewohner:innen nicht nur symbolisch, sondern tatsächlich biografisch miteinander verbindet.

Ein Teil des Projekts wurde im Rahmen von „tanz + theater machen stark“ realisiert.

Theater Joschik